Staunen über Mario

von Walter Kläy

Zum ersten Mal hörte ich den Namen Mario Venzago in der Mitte der 1970er Jahre. Damals als Pianist auf einer LP mit zwei Werken des wenig bekannten österreichischen Romantikers Heinrich von Herzogenberg (1843-1900). Dessen Trio für Oboe, Horn und Klavier op. 61 und das Quintett für vier Bläser und Klavier op. 43 hatte ich vorher nicht gekannt. Und die Namen Herzogenberg und Venzago zuvor noch kaum je gehört. Was mir aber im Ohr blieb, war die Subtilität, mit der Mario Venzago den Klavierpart spielte. In nächster Zeit sah ich in ihm ein neues Schweizer Klaviertalent. Mein erstes Staunen über Mario.

Das zweite Staunen erlebte ich 1979 an den Internationalen Musikfestwochen Luzern. Mario dirigierte die Festival Strings Lucerne mit einer Uraufführung des Schweizer Komponisten Franz Tischhauser (1921-2016): «Dr. Bircher und Rossini». Tischhausers humoristische Tafelmusik war wie gemacht für Mario Venzago. Er hatte nicht nur ein Streichorchester mit Cembalo und Zubehör (vier Weinflaschen, kleiner Tisch, zwei Hartholzschlägel) zu leiten, sondern das Ganze auch noch zu moderieren, was er mit Charme und Eleganz tat. Den ersten Teil, die Variazioni frugali «Siebenmal Birchermüesli» präsentierte er am Dirigentenpult so: «Montag»… (folgt Musik), «Dienstag»… (Musik), «Mittwoch»…(Musik) usw.

Venzagos Entertainer-Begabung und sein Humor waren offenkundig. weiterlesen…