KLANG

Klangvorstellungen
von Dorothea Krimm

Stöbert man in Mario Venzagos Pressearchiv, fällt eines auf: Musikjournalisten, die seinen Orchesterklang in Worte zu fassen versuchen, verzichten weitgehend auf poetische Ausschweifungen. Wenn hier von «Prachtklang in Doppelrahmstufe», «Ketchup und Mayonnaise» die Rede ist, dann nur im Sinne der Abgrenzung: So eben nicht! Ansonsten zieht man knappe, klare Adjektive heran:

Linear, transparent, hell, schlank und biegsam, leuchtend, blühend, die lastende Schwere verlierend, warm und geerdet, glasklar, brennend, frei atmend, luftig, subtil, wach.

Der Orchesterklang gehört zu Venzagos zentralen Anliegen. Seine «Klangforschung am lebendigen Orchesterleib» kann mitunter zu einer «klingenden musikalischen Bewusstseinserweiterung» führen, wie die Presse attestiert. Oder, in seinen eigenen Worten:
«Dieser Klang ist der Klang von gestern, bevor das Vibrato überhandgenommen hat. Aber er ist auch der Klang von morgen… – Dieses fettige Zeug wird bald niemand mehr gernhaben. Dafür kämpfe ich.»

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